Oct 28

Über die Perversion der Wissenschaft

Tag: UncategorizedRauno @ 16:17

Ich habe gerade die “Dokumentation” “Mars direkt - Das NASA-Projekt Mars 2016″ auf n-tv gesehen und mir standen fast die Haare zu Berge. Ich frage mich, wie Wissenschaftler so engstirnig sein können. Es wird hier illustriert und propagiert, wie der Mars umgeformt werden kann, sodass innerhalb von 10 Jahren nach Beginn des “Terraforming” Menschen dort leben könnten.
Abgesehen davon, dass der Umzug der Menschheit auf den Mars á la die Ratten verlassen das sinkende Schiff schon allein aus logistischen Gründen absolut utopisch ist und höchstwahrscheinlich daraus eine Trennung der menschlichen Rasse in diejenigen, die es wert sind, verschifft zu werden und die die auf einem Planeten aussterben, den andere zerstört haben führen würde, wirkt es doch sehr pervers, dass ein Budget von “nur” 55 Milliarden USD ausreichen würde, um die ersten Menschen auf den Mars zu schießen. Die erste Kalkulation sah sogar ein Gesamtbudget von exorbitanten 445 Milliarden vor.
Ich erinnere mich noch dunkel daran, wie der Astrophysiker Harald Lesch in “alpha centauri” prägnant und einleuchtend erläutert hat, wieso Terraforming keinen Sinn macht und auch physikalisch unmöglich ist. Und das war nicht auf Vermutungen gestützt, sondern auf elemtare physikalische Gesetze. Soweit ich mich erinnern kann sagte er, dass der Mars ein zu schwaches Magnetfeld hat, so dass man vor kosmischer Strahlung völlig ungeschützt wäre. Da hilft wahrscheilich kein Sunblocker. Und außerdem ist der Mars zu klein bzw hat zu wenig Masse und würde deshalb, aufgrund der geringen Gravitation, keine erdähnliche Atmosphäre halten können.
Da ich selbst kein Wissenschaftler bin und diese Aussagen nicht nachrecherchiert habe, kann ich auch nicht sagen, ob das jetzt die Wahrheit und nichts als die Wahrheit ist. Das ist aber im Endeffekt auch völlig irrelevant.
Ich habe nicht grundsätzlich etwas gegen Raumfahrt. Keineswegs. Ich glaube dass uns vor allem in der Chemie und Biologie Versuche in der Schwerelosigkeit um einiges weiter gebracht haben. Ich sehe Pionier- und Erfindungsgeist als eine der wichtigsten Eigenschaften der Menschen an. Trotzdem finde ich die Idee, auf dem Mars eine Siedlung zu gründen so verdammt pervers. Wenn man nur die Hälfte der Aufwände in wirklich innovative Ideen zur Verbesserung der Lage auf unserem jetzigen Planeten investieren würde, könnte wahrscheinlich innerhalb von 10 Jahren weit mehr für die Menschheit getan werden. Das könnte alles mögliche sein: energieeffizientere Wohnräume und Geräte, Weiterentwicklung von Hybridmotoren/Brennstoffzellen oder einfach nur ein Programm um Drittweltländern zu helfen, wieder eine funktionierende Wirtschaft aufzubauen.
Das Kosten-Nutzen-Verhältnis rechtfertigt meiner Meinung nach nicht im entferntesten eine solche Mission. Selbst wenn sie erfolgreich wäre und die betrunkenen Astronauten nicht bei lebendigem Leib verbrennen und in naher Zukunft einige Hundert Menschen und in ferner Zukunft sogar der Großteil der Menschheit auf dem Mars leben sollte, würde ich mich eher fragen:
Ist es denn sinnvoll, einen Planeten zu besiedeln, auf dem dann der ganze Schmarrn wieder von vorne losgeht?

Die gute Aussicht bei dem ganzen ist allerdings: Wenn man den Mars formen will, muss man ihn aufheizen. Und das können wir ja bekanntlich gut.

One Response to “Über die Perversion der Wissenschaft”

  1. Chris says:

    Gute und richtige Gedanken zum Thema. Finde, du hast voellig Recht damit! *applaus*

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